Pendlersaldo je 100 SV Beschäftigte am Arbeitsort (2018)

Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) (2020)

Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) (2020)

„Alle Wege führen nach Rom Cottbus!“ So könnte eine provokative Aussage lauten, die sich aus dieser Grafik ableiten lässt. Aufgezeigt werden hier die Pendlersaldi (= Einpendler – Auspendler) der Lausitzer Landkreise und der Bundesrepublik. Bemerkenswert ist an dieser Stelle, dass – mit Ausnahme der Stadt Cottbus – kein Landkreis einen positiven Pendlersaldo aufweist. Das bedeutet, dass jeden Tag mehr Menschen aus den Landkreisen zu ihrem Arbeitsplatz hinausfahren als eintreffen. Das liegt einerseits an der Unterversorgung mit Arbeitsplätzen in der Lausitz und anderseits an der starken Sogwirkung der Metropolen Dresden und Berlin.

Ein langer Arbeitsweg spielt allerdings eine wichtige Rolle bei der Auswahl des zukünftigen Lebensraums und beeinflusst maßgeblich die subjektive Wahrnehmung der Lebensqualität.  Denn bei einem Acht-Stunden-Arbeitstag verbringt niemand gerne noch zwei Stunden mit dem Pendeln.

Daraus lässt sich ableiten, dass einerseits der Fokus auf die Schaffung neuer konkurrenzfähiger attraktiver Arbeitsplätze gelegt werden muss und anderseits die Pendelzeiten verkürzt werden sollten. Dies kann durch den Ausbau von Infrastruktureinrichtungen gelingen. Ein erster Schritt in diese Richtung wurde bereits beschlossen: Der Ausbau der ICE-Trasse von Berlin über Cottbus nach Görlitz und der Elektrifizierung der Bahnstrecke Dresden – Bautzen – Görlitz. Über eine Direktanbindungen aus Südbrandenburg zum ICE-Halt in Riesa sollte ebenfalls nachgedacht werden.

Aber auch innerhalb der Lausitz müssen die einzelnen Arbeitsplatzzentren besser miteinander vernetzt werden.  Cottbus und Bautzen gelten hier als Zentren der Nieder- und Oberlausitz. Es sind die beiden Städte mit den stärksten Einpendlerzahlen. Darüber hinaus zählen dazu die Stadt Görlitz und die industriellen Zentren, wíe der BASF-Standort in Schwarzheide oder der Chemiepark in Guben. Sie alle sind jedoch nur über größere Umwege miteinander verbunden.

Doch es gibt auch vereinzelte Lichtblicke: Hier sind besonders die neu entstehenden Arbeitsplätze zu nennen durch das Batteriewerk in Schwarzheide, das Bahnwerk in Cottbus sowie durch einige Forschungseinrichtungen, wie das Wasserstoffkompetenzzentrum in Görlitz.

Des Weiteren kann die Lausitz auch aufgrund des neuen Arbeitsverständnis, dass durch die Coronakrise entstanden ist profitieren – das sogenannte „Remote-Arbeiten“. Denn durch das verstärkte Homeoffice werden Pendlerfahrten reduziert. Darüber hinaus kann durch flexible Arbeitszeiten auch die Zugfahrt zum Arbeiten genutzt werden. Voraussetzungen hierfür ist der Ausbau der digitalen Infrastruktureinrichtungen sowie die Kreativität und Flexibilität der Unternehmen.

Worüber sich vermutlich alle einig sind, ist der große Erholungsfaktor in der Lausitz; und diesen würde doch gerne jeder zwei Stunden zusätzlich am Tag auskosten.

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Marius Nagel

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Quellen: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) (2020): Pendlersaldo je 100 SV Beschäftigte am Arbeitsort. Online verfügbar unter: https://www.inkar.de/.

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