Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Tourismus- und im Braunkohleverstromungssektor in der Lausitz

Quelle: Bundesagentur für Arbeit 2019

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Das gilt besonders nach einem verlorenen Urlaubsjahr 2020. Auch wenn die Besucherzahlen im letzten Jahr aufgrund der Pandemie gefallen sind, ist die deutsche Tourismusbranche für die Zukunft optimistisch gestimmt. Sie hofft darauf, dass sich der Trend, der in den letzten Jahren spürbar war, nach der Pandemie weiter verstärken wird – die zunehmende Beliebtheit deutscher Tourismusgebiete. Unterstützt durch den Klimawandel, bilden deutsche Reiseziele eine ernstzunehmende Alternative zum traditionellen Pauschalurlaub in Südeuropa. Davon profitiert auch die Lausitz. Die Zahl der Übernachtungen ist in der Lausitz zwischen 2010 und 2019 um etwa 28% gestiegen (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2020)

Mittlerweile hat sich der Tourismus zu einem wichtigen Standbein der Lausitzer Wirtschaft entwickelt. Seit 2014 zählt der Tourismussektor mehr Beschäftigte als der Braunkohleverstromungssektor (Bundesagentur für Arbeit 2019). Jedoch ist die Tourismusintensität in der Lausitz nicht überall gleich verteilt. Besonders die vier folgenden Attraktionen stechen hervor: Tropical Island (ca. 1,3 Mio. Besucher pro Jahr), Spreewald (ca. 800.000 Besucher pro Jahr), die Oberlausitz mit dem Zittauer Gebirge und den Städten Zittau und Görlitz (ca. 770.000 Besucher pro Jahr) und das Lausitzer Seenland (ca. 300.000 Besucher pro Jahr).[1] Der Tourismusmagnet Nummer Eins ist und bleibt der Spreewald. Zwar liegen die Besucherzahlen unter denen des Tropical Islands, allerdings sind diese im Spreewald saisonabhängig, während das Tropical Island ganzjährig besucht werden kann.

Auch die Bevölkerung scheint gegenüber dem Tourismus positiv gestimmt zu sein. Laut einer Umfrage erhoffen sich 42 Prozent der Befragten eine positive wirtschaftliche Entwicklung der Lausitz durch den Tourismussektor (Bischoff/Heidig 2020). Umso bemerkenswerter ist diese Entwicklung unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Tourismus vor der Erschließung des Senftenberger Sees als Tourismusgebiet in den frühen 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, in der Region nahezu keine Rolle gespielt hat. Damals galt Senftenberg als Hochburg der Braunkohleförderung. Mittlerweile nähert sich der Anteil der Beschäftigten im Tourismussektor kontinuierlich dem bundesdeutschen Durchschnitt an. Ein Paradebeispiel wie aus einer kohlestaubgeplagten Region ein blühendes Naherholungsgebiet werden kann. Dies stimmt die Verantwortlichen positiv in Hinblick auf die weiteren Flutungen der restlichen Tagebauten, wie beispielsweise das Großprojekt „Cottbuser Ostsee“, welcher der  größte künstliche See Deutschlands werden soll.

Des Weiteren hat die Anzahl der nationalen und ausländischen Gäste zugenommen. Besonders tschechische Touristen haben mit der Lausitz eine Wohlfühloase für sich entdeckt. Außerdem konnte durch die Pandemie ein starker Anstieg an nationalen Gästen verzeichnet werden.  Hier sticht besonders der Radtourismus in der Oberlausitz, im Lausitzer Seenland und der auf dem Spreeradweg zwischen Cottbus und Berlin hervor. Mittlerweile preisen sogar die großen deutschen Fachzeitschriften die Lausitzer Tourismusregionen an. Eine Studie des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland hat festgestellt, dass der Bekanntheitsgrad des Lausitzer Seenlands zwischen 2018 und 20020 um etwa zehn Prozent zugenommen hat (Mitteldeutscher Rundfunk 2020). Und wer weiß, eventuell statten demnächst die von der Hitze geplagten Südeuropäer der Lausitz auch mal einen Besuch ab.

Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (2020): Tourismus im Spreewald. Online verfügbar unter: https://www.spreewald-info.de/region/geschichte/spreewald-tourismus-aktuell.php.

Bischoff, Stefan; Heidig, Jörg (2020): Lausitzmonitor 2020. Studie über das Meinungsbild der Lausitzer Bevölkerung zum Strukturwandel. MAS Partners; Prozesspsychologen, zuletzt geprüft am 04.01.2021.

Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH (2020): Von Luftschiffen und Palmen. Online verfügbar unter: https://www.menschbrandenburg.de/orte/von-luftschiffen-und-palmen/.

Bundesagentur für Arbeit (2019): Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Energie- und Tourismussektor.

Mitteldeutscher Rundfunk (2020): Durch die Pandemie: Größeres Interesse am Lausitzer Seenland. Online verfügbar unter: https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/bautzen/bautzen-hoyerswerda-kamenz/bilanz-ausblick-saison-lausitzer-seenland-100.html.

Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2020): Übernachtungen je Einwohner. Online verfügbar unter: https://www.regionalstatistik.de/genesis/online.

Touristischen Gebietsgemeinschaft Naturpark Zittauer Gebirge/Oberlausitz e.V. (2020): Geschäftsbericht 2019. Online verfügbar unter: https://www.zittauer-gebirge.com/files/contaoprojekt/content-image/TGG%20Logos/Gesch%C3%A4ftsbericht%202019-komprimiert.pdf.

Tourismusverband Lausitzer Seenland e.V. (2020): Tourismusbilanz Lausitzer Seenland. Online verfügbar unter: https://www.lausitzerseenland.de/de/service/presse/basistexte/artikel-lausitzer-seenland-tourismusbilanz.html.


[1] Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (2020); Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH (2020); Touristischen Gebietsgemeinschaft Naturpark Zittauer Gebirge/Oberlausitz e.V. (2020); Tourismusverband Lausitzer Seenland e.V. (2020)

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