Religionszugehörigkeit in der Lausitz

Weihnachten steht vor der Tür! Während im Norden und Osten der Republik der Weihnachtsmann die Geschenke bringt, ist es im katholisch geprägten Süden pikanterweise das von Luther erschaffene protestantische Christkind.  

Der christliche Geist bestimmt das Weihnachtsfest jedoch immer weniger; und das unabhängig davon ob er in der Lausitz oder in Baden-Württemberg gesucht wird. Die Kirchenentfremdung nimmt seit Jahrzehnten in vielen Ländern Europas zu. Die neuen Bundesländer führen diesen Trend sogar an. Laut einer Studie sind in Ostdeutschland 52 Prozent der Bevölkerung Atheisten. Das ist globaler Spitzenwert (International Social Survey Program 2018). Dies spiegelt sich auch in der Lausitz wider, wie die Grafik zeigt. In allen Landkreisen liegt die Religionszugehörigkeit mehr oder weniger stark unter dem Bundesdurchschnitt. 

Das liegt nicht nur an der kirchenkritischen Einstellung in der ehemaligen DDR. Begonnen hat dies womöglich bereits im frühen Mittelalter. Während Europa zunehmend christlich missioniert wurde, bildeten die im Osten ansässigen meist kirchenfernen slawischen Siedlungsgebiete eine Ausnahme.  

Ein weiterer tiefer Einschnitt erfolgte durch die Reformation, die mit Wittenberg auch in Ostdeutschland ihre Wurzeln hatte. Die Bindung zur Kirche verlor dadurch nach und nach weiter an Bedeutung. Die Botschaft von Luther war klar: Jeder Einzelne steht unmittelbar vor Gott, wodurch die Kirche an Bedeutung verlor. 

Während der DDR-Zeit erreichte die Religionsentfremdung ihren Höhepunkt. Karl Max behauptete bereits Anfang des 19. Jahrhunderts, dass Religion „das Opium des Volkes“ sei. Aus Sicht der Kommunisten stand der Glaube der Modernisierung im Wege. Dies machte sich auch in Politik und Gesellschaft bemerkbar. Während 1945 noch 90 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung Kirchenmitglieder waren, ist dieser Wert im Jahr 1989 auf 25 Prozent geschrumpft (Deutschlandfunk 2016). Einen erheblichen Anteil davon stellen die Sorben, von denen noch etwa 60.000 in der Lausitz leben – dreiviertel davon im katholischen Dreieck Bautzen – Kamenz- Hoyerswerda. Für sie nimmt der christliche Glaube eine zentrale Rolle in ihrer Gesellschaft in.

Diese kulturelle Vielfalt der Lausitz und den angrenzenden Regionen ist gerade in der Weihnachtszeit spürbar. Wenn sich die Teller mit Pulsnitzer Pfefferkuchen decken, die Fenster mit Weihnachtsbögen aus dem Erzgebirge geschmückt sind und sich die Massen zum Bummeln auf dem Dresdener Striezelmarkt einfinden. Egal ob Sorben, Atheisten, Ost- oder Westdeutsche, Weihnachten bleibt für alle Deutsche das wichtigste Fest des Jahres – auch wenn es dieses Jahr etwas anders ausfällt.

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Marius Nagel

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Deutschlandfunk (2016): Stalin statt Gott. (Online verfügbar unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/kirche-und-kommunismus-stalin-statt-gott.1278.de.html?dram:article_id=363058; zuletzt geprüft am 14. Dezember 2020)

International Social Survey Program (2018): A Cross-national and Comparative Study of Religion of additional 14 countries. (Online verfügbar unter: https://www.gesis.org/en/issp/modules/issp-modules-by-topic/religion/2018/2018-additional-14-countries; zuletzt geprüft am 15. Dezember 2020.)

Statistische Ämter des Bundes und Landes (2020): Religionszugehörigkeit. (Online verfügbar unter: https://www.regionalstatistik.de/genesis/online/logon; zuletzt geprüft am 12. Dezember 2020.)

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