Das gute Leben messbar machen – Studie zu Indikatoren

Das „Gute Leben in der Lausitz“ ist ein hehres Ziel. Doch was gehört zu einem gelingenden Leben? Was wäre hierfür notwendig und was fehlt? Dies sind die Fragen, die den Hintergrund des im Juli 2020 erschienenen Berichtes „Indikatoren für das Gute Leben in der Lausitz“* bilden, der bei der Zukunftswerkstatt Lausitz** veröffentlicht wurde. Dieser sollte der sogenannten Schreibwerkstatt als eine der Grundlagen für die Arbeit an einer „Entwicklungsstrategie Lausitz 2050“ dienen, die am 4.12.2020 in einer feierlichen Veranstaltung mit Vertretern aus dem Land Brandenburg und dem Freistaat Sachsen präsentiert wird.

Momentan arbeiten die Autoren der Indikatoren-Studie an einer Stellungnahme, die die Notwendigkeit eines indikatorengestützten Monitorings der Entwicklungsstrategie herausstellt, in dieser Hinsicht Vorschläge zum weiteren konkreten Vorgehen macht und die Verbindungen zwischen den Zielen der Entwicklungsstrategie und den „Indikatoren für das gute Leben in der Lausitz“ aufzeigt.

Die Schreibwerkstatt

In die Schreibarbeit waren zwischen Mai und September 2020 rund 60 Personen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen eingebunden. Die Arbeit erfolgte entlang von zehn Handlungsfeldern, bspw. in die Themen der Digitalisierung, der Gesundheit oder der Mobilität. Die Entwürfe wurden zusätzlich von etwa 100 regionalen Abgeordneten, Landräten, Bürgermeistern und Vertretern von Institutionen unterzogen kommentiert.

Zwei Teams von Wissenschaftlern hatten der Schreibwerkstatt Vorschläge für Indikatoren zur Messung der Zielerreichung unterbreitet. Zum einen war dies die gewünschte wirtschaftliche Entwicklung, zum anderen ging es um das „Gute Leben“ in der Lausitz allgemein. Ziel dieses neuen Berichts ist es, die bisher eher wirtschaftspolitisch ausgerichteten Strukturentwicklungsvorschläge zu ergänzen.

Indikatoren

Eine Besonderheit der Lausitzer Schreibwerkstatt besteht darin, dass die gefundenen Ziele auch messbar gemacht werden sollen. Mit Hilfe von Indikatoren kann eine Zielerreichung (oder -verfehlung) überprüft werden. Die Indikatoren waren dabei zunächst ein Vorschlag an die Schreibwerkstatt, weil diese ja erst eine Strategie und die Entwicklungsziele genauer festlegen sollte. Die Autoren haben sich deshalb zunächst an nationalen und international relevanten Indikatorensystemen orientiert, wie den Sustainable Development Goals (SDGs), der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, dem Indikatorensystem „Gut Leben in Deutschland“ und den Nachhaltigkeitsstrategien von Brandenburg und Sachsen. Darüber hinaus sind die Ergebnisse des Bürgerdialogs der Zukunftswerkstatt Lausitz eingeflossen. Der Bericht sollte insofern eine fachliche Diskussion eröffnen, wie sich Ziele und Indikatoren wechselseitig aufeinander beziehen lassen. Aufgrund zeitlicher Restriktionen konnten die Indikatoren nicht mehr in die Entwicklungsstrategie eingebunden werden. Wie oben erwähnt, wird derzeit im Rahmen einer Stellungnahme untersucht, welche Verbindungen zwischen den Indikatoren des Guten Lebens und den Zielen der Entwicklungsstrategie bestehen und wie der weitere Prozess zur Erstellung eines indikatorengestützten Monitorings der Entwicklungsstrategie aussehen könnte.

Vorgeschlagene Indikatoren

Die Vorschläge sind in den thematischen Clustern Leben, Umfeld und Region zusammengefasst. Dahinter verbergen sich 11 Themenfelder, innerhalb derer die Autoren 56 Indikatoren beschreiben, welche sie für die Messung des „Guten Lebens in der Lausitz“ empfehlen. Die Indikatoren sind dabei aufeinander bezogen und bilden ein sogenanntes Indikatorensystem, da ein einzelner Indikator meist nur wenig Aussagekraft besitzt.

Der Bericht

Der Bericht hat 116 Seiten, ist aber übersichtlich strukturiert. Nach zwei Seiten Zusammenfassung können Interessierte direkt in die für sie interessanten Themenfelder springen, so etwa in die Bereiche Arbeit, Bildung, Kultur oder Gesundheit und Natur. Auf rund zwei Seiten wird dann jeweils in das Thema eingeführt und die vorgeschlagenen Indikatoren werden kurz vorgestellt – bspw. die Fahrtzeit zum Hausarzt oder die Frage, wie viele Menschen sorbisch/wendisch lernen (um die Sprache zu erhalten).

Außerdem wird jeder Indikator im Anhang genauer beschrieben: In den sogenannten Indikatorenkennblättern werden detaillierte Angaben gemacht zu Zielwerten oder der Vergleichbarkeit mit anderen Bundesländern respektive Zielen der Bundesrepublik. Lesende können also jeweils selbst bestimmen, wie genau – und damit umfangreich – sie in bestimmte Themenfelder einsteigen möchten.

Der Indikatorenbericht ist hier auf der Seite der Zukunftswerkstatt Lausitz abrufbar.

Hintergrund:

Als Grundlage einer Strategie für die nächsten Jahrzehnte hat die Zukunftswerkstatt Lausitz verschiedene wissenschaftliche Studien und Gutachten beauftragt, bspw. zur wirtschaftlichen Entwicklung, zu Standortpotentialen, von 5G oder der Wasserstoffwirtschaft in der Lausitz. Außerdem wurden die Bürgerinnen und Bürger der Lausitz in einem aufwändigen Prozess befragt, wie sie sich die Lausitz von morgen vorstellen. Diese umfangreiche Materialsammlung, vorhandene regionale und kommunale Leitbilder, Konzepte und Positionspapiere für die Lausitz wurden zur „Entwicklungsstrategie Lausitz 2050“ verdichtet.

Einbezogen werden dabei auch die Empfehlungen aus dem Abschlussbericht der von der Bundesregierung einberufenen Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ (KWSB) sowie deren Konkretisierung im Rahmen des noch zu verabschiedenden „Strukturstärkungsgesetzes“ des Bundes einschließlich des darin aufgeführten Leitbildes. 

Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV

Daniel Häfner

Kontakt: daniel.haefner@lausitzer-institut.de

Beiträge können an die Redaktion des Lausitzblogs unter redaktion@lausitzblog.info geschickt werden.


* Die Autoren des Berichtes sind Dr. Lutz Laschewski und M.A. Daniel Häfner (beide Lausitzer-Institut.de), Dr. Benjamin Held (fest-heidelberg.de), Dr. Carsten Schürmann (brrg.de) und Dipl. Verw. Roland Zieschank (u.a. FFU der FU Berlin). Bereits im Jahr 2016 war das Workingpaper „Regionale Indikatoren guten Lebens“ an der BTU Cottbus erschienen.

Die Autoren freuen sich über Anmerkungen

Kontakt über: daniel.haefner@lausitzer-institut.de

** Die Zukunftswerkstatt Lausitz ist ein Projekt der Wirtschaftsregion Lausitz.

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