Schwarze Pumpe

„Carna Plumpa“ – welch ein aufregender Name für die Zugereiste, bisher vor allem im angelsächsischen und romanischen Sprachraum unterwegs. Wildes Assoziieren in Richtung „carne“ und „plump“, hilflos wilde Sprachmischung, dabei dem slawischen Sprachklang entzückt verfallen. Niedersorbisch für Schwarze Pumpe steht Carna Plumpa für einen Ort in der Niederlausitz, für ein Braunkohlekraftwerk, einen Industriepark und auch für eine Anekdote zum Dreißigjährigen Krieg. Als das schwedische Heer im 17. Jahrhundert durch die Lausitz zog, kamen die listigen Dorfbewohner auf die Idee, die Pumpe des Gasthauses schwarz anzumalen und sich damit zum Pest-Ort zu erklären. Die Soldaten ließen sich täuschen und machten einen Bogen um die Siedlung, die sich von da an Schwarze Pumpe nannte.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde Schwarze Pumpe zu einem wichtigen Industriestandort der Kraftwerkstechnik und der nationalen Energieproduktion. Das heutige Kraftwerk steht an der Spitze und zugleich am Ende einer technischen Evolution im Braunkohlenkraftwerksbau. Es ist ein innovatives Industriebauwerk, mit umweltschonender Technologie versehen und erreicht einen bis dahin mit Braunkohle nicht realisierbaren Wirkungsgrad von 40 Prozent bei gleichzeitig gesunkener CO2-Emmission pro erzeugter Kilowattstunde. Trotzdem ist die ausgestoßene CO2-Menge so groß, daß eine Änderung in der Kraftwerksleistung noch 750 km weiter südlich auf der Zugspitze gemessen werden kann.

Dort steht das Schneefernerhaus mit seinem Atmosphärenlabor, das für das Umweltbundesamt Treibhausgase und Feinstaub erfasst, insbesondere auch die sogenannte Hintergrundbelastung von Kohlendioxid. Auf mehrere Stockwerke verteilt, in den Fels hineingebaut, sind die Laborräume dicht bestückt mit Höchstleistungsgeräten, die in der Lage sind Klimagase im Bereich parts per million zu detektieren, also dem Anteil an einer Million. Die Messstelle in den Alpen ist auch beteiligt am weltweiten Klimabeobachtungssystem der World Meteorological Organization (UNO), als Globalobservatorium trägt sie bei zur Verbesserung der Datenbasis für immer präzisere Klimamodelle. Aus solchen schon Jahrzehnte laufenden akribischen Messkampagnen wissen wir, dass der jetzige Anstieg an CO2 etwa 100 mal schneller verläuft als jemals zuvor in der Vergangenheit.

Die Zugspitzmaschine und die Lausitzmaschine sind beide Ausdruck höchsten technowissenschaftlichen Könnens, sie verkörpern Effizienz, Präzision und auch Eleganz technischer Problemlösung. Gleichzeitig stehen sie in einem spannungsvollen Verhältnis zueinander, belauern sich gewissermaßen gegenseitig, indem sie eingespannt sind in denselben politischen Kontext. Die Wissensproduktion mit der Zugspitzmaschine und die gesellschaftliche Akzeptanz dieses Wissens hat ein Ablaufdatum für die Lausitzmaschine hervorgebracht. Sie wird voraussichtlich noch bis zum Jahr 2038 laufen, das technische Evolutionsgeschehen geht weiter mit der Wasserstofftechnologie.

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Astrid Schwarz

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