Ärztemangel in der Lausitz[1]


Winterzeit = Erkältungszeit. Die Arztpraxen füllen sich wieder – auch in der Lausitz. Doch wie steht es eigentlich um die ärztliche Versorgung vor Ort. Die hier abgebildete Grafik lässt große Lücken erahnen, denn durch einen genaueren Blick lassen sich folgende Herausforderungen ableiten:  

  1. Der demografische Wandel fällt in der Lausitz stärker aus als im Rest der Republik.
  2. Mit zunehmendem Alter nehmen die Arztbesuche zu.
  3. Das Verhältnis von Einwohner je Arzt ist in der Lausitz um ca. 10% höher als der Bundesdurchschnitt.

Das ungünstige Zusammentreffen dieser drei Sachverhalte ist für die teils deutliche Ärzteunterversorgung in der Lausitz verantwortlich und es scheint, dass sich diese Situation in naher Zukunft nicht verbessern wird. 

Wie gravierend die Lage wirklich ist, deckt die aktuelle Pandemie auf. Während die Lausitz im Frühjahr noch verschont worden ist, wird sie nun von der Coronapandemie umso stärker getroffen. Dazu kommt, dass die Wahrscheinlichkeit unter einem schweren Krankheitsverlauf zu leiden und damit intensivmedizinisch versorgt zu werden, mit zunehmendem Alter rapide ansteigt. Darüber hinaus ist der Landkreis Bautzen einer der am schwersten getroffenen Landkreise in der gesamten Bundesrepublik (RKI 2020).

Auch im Landkreis Oberspreewald-Lausitz ist die Lage angespannt. Dort sind bereits alle verfügbaren Krankenhausbetten belegt. Im Niederlausitzklinikum in Senftenberg haben sich betroffene Ärzte und Pfleger bereits mit einem Social-Media-Post an die Bevölkerung gewandt. Dort bitten sie die Bevölkerung sich an die Hygieneregeln zu halten, damit die Lage nicht weiter außer Kontrolle gerät (DIVI 2020).

Aber auch unabhängig von der Pandemie ist der Ärztemangel spürbar. Viele Arztpraxen nehmen keine neuen Patienten auf, da sie schlicht überlastet sind. Viele Lausitzer sind deshalb angewiesen sich ärztliche Hilfe in die angrenzenden Großstädten Cottbus, Dresden und Berlin zu suchen.  

Doch es gibt auch einen Lichtblick. Das Carl-Thiem-Klinikum (CTK) entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (F-HHI) Anwendungen für die medizinische Versorgung der Zukunft (Stadt Cottbus 2019).

Die 5G-Technolgie nimmt dabei eine zentrale Rolle ein, wie bereits in der letzten Ausgabe „Statistik des Monats“ erläutert worden ist. Sie ermöglicht eine standortunabhängige Diagnostik und Nachsorgeversorgung. Dadurch können Wartezeiten verkürzt und ärztliche Dienstleistungen effizienter eingesetzt werden. Darüber hinaus könnten von den Ergebnissen der Testphase auch andere ländliche Regionen profitieren.

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Prof. Dr. rer. pol. Stefan Zundel

Kontakt: Stefan.Zundel@b-tu.de

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[1] Altersstruktur in Prozent (2016); Über 10 Arztbesuche im Jahr (2014); Einwohner je Arzt (2017)

Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung (BBSR) (2020): Einwohner je Arzt (2017). (Online verfügbar unter: https://www.inkar.de/; zuletzt geprüft am 23. November 2020.)

Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (2020): Intensivbettenbelegungen. (Online verfügbar unter: https://www.ndr.de/nachrichten/info/Corona–Intensivbetten-Norddeutschland-Deutschland-Kapazitaet-Auslastung,intensivbettenhintergrund100.html;  zuletzt geprüft am 22. November 2020.)

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) (2017): Über 10 Arztbesuche pro Jahr nach Alter (2014); (Online verfügbar unter: https://gesundheitsdaten.kbv.de/cms/html/24044.php; zuletzt geprüft am 22. November 2020.)

Robert Koch Institut (RKI) (2020): Neuinfektionen pro Landkreis in den letzten sieben Tage (Online verfügbar unter: https://www.dpa-shop.com/shop/coronavirus-neuinfektionen-pro-landkreis-letzten-sieben-tage/; zuletzt geprüft am 23. November 2020.)

Stadt Cottbus (2020): Fördermittel für die Entwicklung digitaler Medizinangebote übergeben. (Online verfügbar unter:  https://www.cottbus.de/mitteilungen/2019-12/foerdermittel_fuer_die_entwicklung_digitaler_medizinangebote_uebergeben.html; zuletzt geprüft am 22. November 2020.)

 Statistische Ämter des Bundes und Landes (2019): Bevölkerung nach Alter. (Online verfügbar unter: https://www.regionalstatistik.de/genesis/online/logon; zuletzt geprüft am 22. November 2020.)

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