Zivilgesellschaft in der Lausitz

Wie steht es um die Zivilgesellschaft in der Lausitz  vor dem anstehenden Strukturwandel? Dieser Frage gehen wir in der Studie „Zivilgesellschaft im Strukturwandel. Vereine und Stiftungen in der Lausitz“ nach. Die Studie basiert auf den Daten des ZiviZ-Surveys 2017. Wir haben die Zahlen für die zwei sächsischen und vier brandenburgischen Landkreise sowie der Stadt Cottbus ausgewertet.

Zunächst: Zivilgesellschaftliche Organisationen sind eine relevante Akteursgruppe für den Strukturwandel. Ihnen kommen zahlreiche relevante Funktionen zu. Vereine und Stiftungen fungieren als Integrationsmotoren, Identitätsanker, Bleibefaktoren, Impulsgeber und Arbeitgeber. Ihre Qualitäten sind unverzichtbar, um lokale und regionale Veränderungen individuell und kollektiv mitzugestalten und bürgerschaftliche Interessensartikulation möglich zu machen. Hier werden Themen der Rück- und Zuzügler*innen verhandelt und Verantwortung für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund übernommen. Genauso wichtig ist aber auch die Rolle zur Sicherung von Industriekultur. . Dem Katastrophen- und Brandschutz kommt eine erhöhte Bedeutung im Zuge des Klimawandels zu. Netzwerke zwischen zivilgesellschaftlichen Gruppen formieren sich aber auch, um die Diskussion um regionale und lokale Entwicklungen nach der Kohle zu anzutreiben.

Heute prägen knapp 7.700 Vereine und 150 Stiftungen die Vereinslandschaft. Finanzielle und personelle Engpässe sind ein Spiegel der in den 1990er Jahren ruckartig de-industrialisierten, ländlichen Region mit anhaltenden Strukturwandelaussichten. Während in der Niederlausitz die Anzahl der Vereine mit 61-84 je 100.000 etwas höher liegt als in den Landkreisen Görlitz und Bautzen, verfügen diese über doppelt so viele Stiftungen (100). 84% der Vereine haben weniger als 100 Mitglieder, was der kleinräumlichen Struktur des ländlichen Ostens entspricht. Immerhin ein Drittel der Vereine gibt wachsende Mitgliedszahlen an, in einem weiteren Drittel sind sie zumindest stabil. Bei einem Drittel sinken sie jedoch. Auch ist die finanzielle Basis der Vereine oftmals schmal, da etwa zwei Drittel der Vereine mit weniger als 10.000 € im Jahr auskommen muss.

Die Zahlen des ZiviZ-Surveys zeichnen das Bild einer differenzierten aber relativ ressourcenschwachen Zivilgesellschaft in der ostdeutschen Peripherie. Der anstehende Strukturwandel kann die personellen und finanziellen Möglichkeiten der Zivilgesellschaft zusätzlich schmälern. Zweifellos haben Vereine und Stiftungen in der Lausitz in den letzten Jahrzehnten beharrlich dazu beigetragen, dass auch ohne viel politischen Zutuns vitales Miteinander zur Bewältigung von Strukturwandel entstanden ist. Das zeigen beispielhaft drei kurze Portraits in unserer Studie.

Es sollte der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH für Brandenburg und der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung gelingen, in strukturwandelrelevanten Projekten  mit zivilgesellschaftlichen Akteuren zu kooperieren und sie zu fördern, damit die Chance den Strukturwandel aus der Region heraus und mit allen Kräften zu gestalten, nicht verloren geht.

Link zur Studie: https://www.iass-potsdam.de/sites/default/files/2020-06/IASS_Studie_Zivilgesellschaft_Lausitz.pdf

Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV

Johannes Staemmler, Julia Gabler, Jana Priemer

Beiträge können an die Redaktion des Lausitzblogs unter redaktion@lausitzblog.info geschickt werden.

Dr. Julia Gabler ist bis 11/2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsgruppe „Sozialer Strukturwandel und responsive Politikberatung in der Lausitz“ am IASS Potsdam und vertritt ab 10/2020 die Professur „Management sozialen Wandels“ an der Hochschule Zittau-Görlitz.

Jana Priemer war bis 2020 Leiterin des Bereichs Organisierte Zivilgesellschaft bei ZiviZ im Stifterverband. Dort war sie unter anderem verantwortlich für den ZiviZ-Survey, den sie maßgeblich mitentwickelt hat.

Dr. Johannes Staemmler leitet die Forschungsgruppe „Sozialer Strukturwandel und responsive Politikberatung in der Lausitz“ am IASS Potsdam.

Schreibe einen Kommentar